...unnuf!

 

Tja, was fällt mir zu Marokko spontan ein: 1000 und eine Nacht, Abendland, Marrakech, Kamele, Aladin und die Wunderlampe und außerdem ein Reisebericht von Oliver Guenay übers Gleitschirmfliegen...

Seit diesem Bericht  wollte ich da mal hin- am liebsten im Rahmen eines unserer Clubausflüge. Aber mir fehlten einfach die Kontakte und für eine Selbst- Organisation  der Mut.

Ende 2010 las ich das Angebot der Flugschule „Planet- Para“ für eine Marokko- Reise Anfang Februar;  ich hatte sowieso noch Urlaub und wollte außerdem mit Maddin, dem Flugschulinhaber näheren Kontakt aufnehmen, also wurde sofort gebucht.Die Reise war als Rundreise angeboten, die auch 2-wöchig durchgeführt werden könnte: Mit dem Flieger von Hahn nach Agadir, von dort mit Jeep und Bus zunächst Richtung Süden und dann über einen Pass am Rande des Atlas- Gebirges nach Marrakech. Die zweite Woche das gleiche, nur eben umgekehrt. Da der Flieger schon um 6:30Uhr am Samstag startete, gings für mich um 3Uhr los über Mannheim nach Hahn. Es war irgendwie spannend das erste mal an solch einer Reise als normaler Teilnehmer dabei zu sein und dann auf dem Flughafen die anderen Mitreisenden, die aus ganz Deutschland angereist waren, zu treffen.Nach 4,5 Stunden Flug mit herrlicher Sicht aufs Rhonetal , den Atlas und das Land, kamen wir in Agadir bei einer Temperatur von ca. 15°C und leichtem Nordwind (schlecht fürs Fliegen in dieser Gegend) an.

 

 

 

Am Flughafen wurden die Einreispapiere ausgefüllt (Kugelschreiber nicht vergessen- ich empfehle sogar einen kleinen Vorrat an Kugelschreiber; die eignen sich nämlich gut als kleine Geschenke) und schon wurden wir von Ibrahim, dem Fahrer und Abdou dem Führer, der super Deutsch spricht, empfangen. Als erstes ging es dann mit einem erstaunlich neuen Kleinbus und einem Jeep zum nächsten Supermarkt in Agadir mit der Aussage sich einen Biervorrat zuzulegen.  Aber, obwohl ich im Supermarkt gesucht hatte- war schon spannend der Supermarkttrip mit seinen Menschen und den Verkaufsständen- habe ich kein Bier gefunden. Erst später habe ich dann entdeckt, dass der Alkoholbereich separiert war und sogar eine eigene Kasse hatte. Dann gings endlich los. Nur, der Wind kam leider immer noch von Norden und außerdem ist das Fluggebiet in Agadir am Hafen leider nicht mehr existent. Also stiegen wir  mit gemischten Gefühlen in den Bus, in dem wir von marokkanischer Musik- die übrigens absolut zu dieser Landschaft passt und nicht unangenehm ist (es sei denn man hört immer nur die gleiche CD...) empfangen wurden.

 

 

Gegen 14Uhr kamen wir  (hab ich eigentlich schon erwähnt, dass die gesamte Gruppe aus 19Personen bestand?) an einem menschen-, baum-, Gebüsch- und tierleeren Strandabschnitt ca. 50km südlich von Agadir in Tifnit an.  Es handelte sich um eine Steilküste mit einem Höhenunterschied von 10 bis ca. 50m in deren Saum teilweise Höhlen eingegraben und Häuserfragmente davor gesetzt waren. Interessant, aber Gleitschirm fliegen, bei diesem lauen Lüftchen (immerhin von vorne) und so einer Steilküste, abschnittsweise ohne Landemöglichkeit?? Tatsächlich packten wirklich alle hoffnungsvoll aus und –ich habs eigentlich nicht geglaubt- nach einer halben Stunde schirmspielen, konnte man die ersten kurzen Hupser an der Küste wagen. Das Ganze entwickelte sich dann im Laufe des Tages noch so gut, daß wir ca. 20km an der Küste entlangsoaren oder Toplandeübungen oder Wingovern  oder halt einfach nur Fliegen konnten.  Außer einem Anfänger, der erst seit ein paar Wochen seinen Schein gemacht hatte und es leider, trotz Hilfe, nicht geschafft hatte in die Luft zu kommen (er hatte einfach den Zeitpunkt verpasst und dann war der Wind für ihn zu stark), konnten sich alle bis 19Uhr austoben. Am Anreisetag mehr als 4Stunden unterm Schirm- nicht schlecht die Ausbeute!

 

Wieder zurück mussten wir noch eine gefühlte Ewigkeit durchs Land bis zu unserem ersten Hotel in Tifnit gondeln. Das Hotel und das gebotene Essen – ich glaube es gab frischen Fisch- war ebenfalls eine sehr angenehme Überraschung. Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück bei strahlendem Sonnenschein im Freien  (war trotzdem ziemlich kalt) und dem morgentlichen Nordwind, den wir die ganze Reise über hatten, gings voller Spannung einer ca. 200m hohen Kante entlang zum zweiten Startplatz in Marokko.

 

 

Kaum dort angekommen, drehte der Wind, so dass wir wieder bis spät in den Abend fliegen konnten. Diesmal sogar etwas mit Thermik vermischt, teilweise wurde bis 500m überhöht. Der Startplatz war super einfach, Schirmfreundlich und toplandegeeignet. Selten musste der Jeep die unten gelandeten Flieger wieder nach oben holen.

Am Abend gab es dann zum ersten mal ein marokkanisches Nationalgericht: Tajine; eine Art Eintopf (Gemüse, Couscous, Fleisch oder Fisch) in einem speziellen Tontopf gegart. Der original Marokkaner isst direkt, ohne Besteck mit einem Stück Brot aus dem Topf; ob mit oder ohne Besteck es war auf jeden Fall sehr lecker.

 

 

Den nächsten Tag fuhren wir an den selben Startplatz wie den Tag zuvor. Da wir gestern schon mal da waren und um mal was Neues zu probieren, wurde auch mal eine kleine Strecke probiert und prompt gepflegt abgesoffen. Da weder Maddin, noch Abdou erreichbar waren und keiner der kleinen Hügel so trug, dass man hochsoaren konnte, war ein Fußmarsch angesagt. Endlich, nach einer Stunde weg und einem Start von halber Höhe zum Startplatz konnte ich glücklicherweise doch wieder hochsoaren und noch über eine Stunde in den Sonnenuntergang hineinfliegen. Zur Landung gab es dann etwas Nepal-feeling: kaum lag der Schirm auf der Erde, war man von kleinen Jungs umringt, die einem fleißig beim Zusammenpacken halfen in Erwartung einer kleinen Belohnung.

 

 

Diesen Abend wurde direkt zum nächsten Hotel nahe  Legzira bzw. Sidi- Ifni. weitergefahren. Einchecken, eine Tajine, danach eine Büchse Bier und dann direkt ins Bett. Am nächsten Morgen sah man erst,  dass das Hotel direkt an einem Traumstrand und direkt bei dem Felsentor lag, vor dem ich unbedingt mal fliegen wollte seitdem ich davon gelesen hatte. Aber der Wind kam an diesem morgen einfach von zu weit aus dem Landesinneren, so dass ich nach ersten Aufziehübungen morgens um 7 doch wieder zusammen packte. Der Strom kam zu eingeschränkter Zeit aus einem uralten Generator- trotzdem oder vielleicht gerade deshalb einfach klasse. Gegen Mittag wurde zum Startplatz gefahren, der inmitten alter Ruinen lag. Nicht so schön wie den Tag zuvor, aber dennoch toplandegeeignet. Schön war auch, dass direkt am Strand vor dem Hotel gelandet werden konnte.

 

 

Am nächsten Tag fuhren wir nach dem Frühstück die Altstadt von Sidi- Ifni besichtigen. Eigentlich wollten wir dort auch fliegen, aber diesmal drehte der Wind einfach nicht, so dass wir den Tag mit bummeln im Ort und vor allem dem exotischen Markt, Süßigkeiten essen, Tee trinken verbrachten und gegen 15Uhr wieder Richtung Hotel fuhren. Als keiner von uns mehr ans Fliegen glaubte, fuhr unser Führer zum Erstaunen aller doch nochmals zum Startplatz und zum noch größeren erstaunen, konnte man tatsächlich zumindest zu einem Abgleiter starten. Ich hing als erster am Schirm, musste aber bei der Landung am Strand feststellen, dass der Wind aus einer vollkommen anderen Richtung kam als auf dem Berg; er wehte genau richtig für einen Flug am Felsentor! Das war zwar der Tag mit der wenigsten Flugzeit (ich glaube es waren nicht mal zwei Stunden); trotzdem wars toll bei gerade so für einen Schirm ausreichenden Wind am Felsentor rumzukratzen.

 

 

Inzwischen war schon Mittwoch und wir machten uns auf den Weg nach Marrakech. Wir fuhren durch eine Wüstenlandschaft, ab und zu unterbrochen von einer Ortschaft mit interessanten Menschen, Häusern und Verkaufsläden über einen Pass beim Atlas- Vorgebirge. Ca. 50km vor Marrakech bogen wir Richtung Atlas ab und kamen schließlich an der 5. Flugmöglichkeit an. Obwohl der Wind etwas seitlich kam konnten wir auch diesmal bis in die Nacht hinein fliegen. Wer wollte, landete Top, wer nicht wollte am Landplatz in einem, natürlich ausgetrockneten Bachbett. Abends sollte es endlich nach Marrakech gehen. Ich war so gespannt auf die Souks und überhaupt auf die Stadt und das Leben dort. Einer unserer Begleiter las in seinem Reiseführer, dass Marrakech das einzige orale Weltkulturerbe hatte das es gibt.

 

Die Geräuschzusammensetzung ist dort scheinbar so speziell, dass sie auf diese Weise ausgezeichnet wurde. Allerdings mussten wir unsere Ungeduld noch eine ziemliche Weile zügeln: eine Baustelle nach der anderen, fehlender Strassenbelag, und unser übervorsichtiger Fahrer trugen dazu bei, dass wir erst spät abends in unserem Hotel in Marrakech ankamen. Es war keine Zeit mehr in die Stadt zu gehen, zumal wir noch nichts gegessen hatten und die Hotelzimmer noch bezogen werden mussten. Obwohl angeblich mit drei Sternen versehen, war dieses Hotel das schlechteste, das wir bisher auf der Reise hatten. Der erste Eindruck war dabei richtig gut; die marokkanischen Rundbögen, das warme Licht, die Farben; auf den zweiten Blick hat man aber dann den Putz von der Wand prökeln sehen, die Badewanne hatte Roststellen; die Hoteltesterinnen wären begeistert gewesen. Ich habe sicherheitshalber ein Handtuch aufs Kopfkissen gelegt und in meiner Jelaba (ein typisch marrokanisches Kleidungsstück, das ich mir inzwischen gekauft hatte) geschlafen.

 

Da das Wetter für den nächsten und letzten Tag nicht besonders gut angesagt war, vereinbarten wir erst am nächsten morgen zu entscheiden ob wir überhaupt fliegen gehen, oder den ganzen Tag in Marrakech verbringen.

Gott sei dank haben wir uns fürs Fliegen entschieden: der Startplatz war betoniert und lag auf einem Hügel direkt vor dem schneebedeckten Atlasgebirge. Direkt neben dem Startplatz war eine Gaststätte (mit Übernachtungsmöglichkeiten) zum Tee trinken und Mittag essen. Schon bald waren die ersten Cummili zu sehen. Der Landeplatz war eben und sauber; er lag direkt neben der Strasse und hatte sogar einen Windsack; war aber eigentlich überflüssig....

Ums kurz zu machen: an diesem Tag hätte man vermutlich bis Marrakech zurückfliegen können, er war einfach genial. Flughöhen bis 3000m, kleiner Strecken, Toplandungen- es war einfach alles möglich. Am frühen Abend war das Grinsen allen Teilnehmern fast ins Gesicht tätowiert.

Schnell noch ein paar Drusen (Steineier mit Quarzkristallen o. ä.) und Schmuck am Landeplatz ausgehandelt und schon ging es zurück zum Hotel- schließlich wollten wir auch noch was von der berühmten Stadt sehen.

Direkt nach dem Duschen wurden wieder alle zusammengetrommelt und wir gingen gemeinsam zum „ Jemaa el Fna“ oder auf deutsch: Platz der Gehängten. Dort nahm uns unser Führer mit in ein tolles Lokal in dem wir einem warmen Buffet ähnlich, nach Herzenslust schlemmen konnten. Der danach noch den mehr oder weniger langen, aber in jedem Fall äußerst interessanten und sehenswerten Besuch der Altstadt rundete die Reise sehr angenehm ab und setzte einen gelungenen Schlusspunkt.

 

Resümee:

Mit zwischen 20 und 30 Flugstunden kann man einfach nicht sagen, dass die Reise fliegerisch nicht interessant war. Trotzdem hätte ich es besser gefunden, mehr im Landesinnere zu fliegen. Erst dort sieht und fühlt man die Unterschiede zu anderen Gebieten; erst das macht den Spot einzigartig. Das Fliegen am Strand hingegen gibt es fast überall. Trotzdem hat es riesig Spaß gemacht und wenn ich mir die zusammengewürfelte Gruppe mit dem unterschiedlichen fliegerischem Können der Teilnehmer anschaue, war es vielleicht doch gerade richtig so.

Marokko selbst wäre auch ohne Fliegen eine Reise wert; alles ist dort wie noch vor 1000Jahren: Lehmhäuser, schwer bepackte Reitesel, die Märkte, die Menschen samt ihrer Kleidung;  man fühlt sich einfach richtig verreist.

Für die erste Reise sich einer Reisegruppe anzuschließen war genau der richtige Weg. Auch wenn ich alleine nochmals dorthin verreisen würde, nähme ich mir einen Führer.

Ich habe mir auf jeden Fall die Anschrift von unserem Führer geben lassen und überlege mir ob ich nicht so ein Ausflug im nächsten Frühjahr für den Gleitschirmclub durchführe. Wenn ich das selbst organisiere, kämen wir vermutlich mit 600€ alles in allem hin...

 

Abdou (Führer)                                   Ibrahim (Fahrer)                         Maddin (Organisator+Fluglehrer)

 

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