...unnuf!

Der Gleitschirmclub Kraichtal hat einige gute und ambitionierte Wettkampfpiloten. Es war die Idee  von Frauke, Berichte von den Wettbewerben auf unsere Homepage zu bringen. Den ersten Bericht liefere ich euch nun vom Staufen-Cup aus Andelsbuch.

 

 Der StaufenCup wird vom dortigen Verein ausgerichtet und zählt für die Liga aus Österreich und Deutschland, auch freie Teilnehmer  sind zugelassen. Ich fliege seit drei Jahren in der Liga, somit ein „Pflichttermin“ für mich. (Dadurch konnte ich leider nicht an der Geburtstagsfeier meiner Schwiegermutter teilhaben,  alles Gute zum Geburtstag aus Andelsbuch ;-) Dirk Fuchs ist mit mir samt Wohnwagen bereits am Freitagabend in Andelsbuch angekommen. Auf dem Parkplatz der Bergbahn dürfen Wohnmobile und Camper für kleines Geld offiziell stehen. Strom beim Nachbarn ergattert, eine Flasche Wein in der Abendsonne…Gute Nacht.

 

Die Einschreibung  beim Wettkampfbüro fand bereits am Samstag 24.04.10 um 0730Uhr statt, mitten in der Nacht! Ich bin also zum „alten Bahnhof“ in Andelsbuch gelaufen, habe mich angemeldet und meine Wegpunkte auf mein GPS laden lassen. Nächstes Briefing um 1200 auf dem Berg.  Auf geht`s! Oben liegt noch viel Schnee. An der Bergstation der Schock! Wir müssen bis zum Südstartplatz hochkletternL. Die Packsäcke wurden von einer Pistenraupe hochgefahren, nur das letzte steile Stück mussten wir unsere Ausrüstung noch selber tragen.

Task 1

Bei leichtem Süd-Ostwind wurde ein FAI-Dreieck über 82km ausgeschrieben. Das Startfenster öffnete um 1300 Uhr. Wir hatten unsere Schirme in Richtung Süden also nach Bezau ausgelegt.  Wir waren alle starbereit als gegen 1259 ein Helikopter zu hören war. Ein Rettungshubschrauber  näherte sich dem Startplatz, das bedeutet automatisch Startverbot. Ein „Freiflieger“ also ein Pilot außerhalb des Wettbewerbs hatte einen Startunfall und musste geborgen werden. Einer der Wettkampfpiloten war noch vor dem Helikopter rausgestartet -legal - da das Startfenster durch die Wettkampfleitung  nicht geschlossen worden war. Die restlichen 119 Piloten warteten jedoch den Rettungseinsatz ab. Es wurde 1400 Uhr. Eine neue Aufgabe wurde ausgeschrieben, da bereits der Nordwind über den Grat blies. Ein Start in die Südseite und somit ins Lee sollte nicht provoziert werden. Die neue Aufgabe über 42 km am Nordrand der Alpen war sicher zu fliegen. Zuvor mussten wir alle auf die Nordseite wandern und von dort aus starten.  Es war ein „elapsed time race“ bei dem jeder seine individuelle Startzeit frei wählen konnte. Nach 1:07h war der erste im Ziel, ich brauchte 1:18h und landete leider nur auf Platz 28. Egal, Spaß hat`s gemacht und im Ziel zu stehen ist immer toll ;-)

 

Task 2

Am Sonntag war Meldung um 0800 beim Wettkampfbüro angesagt um die Karte für die Bergbahn zu empfangen. Nächstes Briefing 1100 am Start. Dirk und ich machten uns früher auf den Weg da wir die Klettertour langsamer angehen wollten.  Es gelang mir die Packsäcke auf der Pistenraupe als „Ladungssicherer“ zu begleiten, somit kam ich fast ohne Anstrengung an den Startplatz, dies sollte jedoch der letzte Erfolg des Tages gewesen sein. Es wurden 58 km ausgeschrieben und es sollte zuerst Richtung Diedamskopf und daran vorbei weiter nach Süden gehen. In den Bergen bildeten sich Überentwicklungen, welche mächtige Wolkentürme in den Himmel stießen. Die Wettkampfleitung rechnete mit ersten Schauern im Nachmittag weiter im südlichen Gebirge. Die Aufgabe sollte uns zum Ende hin wieder an die sichere Nordseite führen. Start war um 1145Uhr, früh genug um nach Süden rauszustarten, jedoch nicht heute! Der Wind kam schon wieder von Norden. Die Nordseite trägt um diese Zeit in Andelsbuch noch nicht, da die Sonne noch nicht auf den Berg scheint.  Die Zeit wurde immer knapper um sich zu entscheiden wie und wo man starten soll. Die Überentwicklungen von Süden schoben die Abschattung rasch auf den Startberg zu, in 10 – 15 min wird keine Sonne mehr auf dem Berg stehen, also los.  Der erste „Lemming“ zeigte wie es gehen kann: Nach Norden starten, am Grat entlang fliegen bis man nach Süden ins Lee fliegen kann und dort in der Leethermik aufbocken. Wahnsinn? Stimmt! Alle hinterher (fast alle).  Der Nordwind war sehr schwach so dass die Leeturbulenzen zu beherrschen waren.  Ich hatte im tiefen Schnee einen Startabbruch und habe wertvolle Minuten verloren. Als ich die Südseite erreicht war alles abgeschattet. Im Lee ging´s dann sauber runter. Der Ausweg in Richtung Bezau führte durch eine Düse mit Gegenwind, im Lee, toll! Die Männer und Frauen mit starken Nerven oder ohne Nerven sind mit dem Wind tiefer in die Berge weitergeflogen um noch eine kleine Chance zu haben aufzudrehen. Ich wollte an diesem Tag jedoch noch ins Kraichgau zurückfahren und entschloss mich für eine sichere Landung in Bezau. Einen Blumentopf konnte ich jetzt nicht mehr gewinnen. Dafür war eine frühe und entspannte Heimreise möglich.

Fazit

  • Ordentliche Wettkampforganisation, ausbaufähig,
  • anspruchsvolle Aufgaben unter Beteiligung von Piloten der Nationalmannschaft,
  • Hubschraubereinsatz hätte konkreteres Eingreifen der Wettkampfleitung erfordert,
  • Debriefing / Auswertung der Flüge um Lerneffekte zu erreichen fanden leider nicht statt, (lokale Piloten hätten Tipps zu Taktik loslassen können)
  • Camping an der Bergbahn gut möglich wenn man früh da ist um einen staubfreien Platz im hinteren Bereich zu ergattern,
  • Fluggelände eignet sich auch für Streckeneinsteiger um 50 km sicher zu fliegen,
  • mein SOL Tracer 22 (proto) geht genial gut, lässt sich auch bei sportlichen Bedingungen gut kontrollieren,

 

Link zum DHV Bericht

 

Mein nächster Wettkampf werden die Bavarian open in Lengries am Brauneck sein.  13.05 – 16.05.10. Da kann man auch super an der Bergbahn campen ;-)

unnuff

Dieter Lische

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